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sonstige

Genre: sonstige

  1. Wir alle waren Täter und Opfer

    Bin ich nun Täter oder Opfer, in der Rolle welche mir auf erzwungen wurde? Sie schauen mich jedenfalls an, als wäre ich ein Verbrecher. Warum wollen sie mich verurteilen, obwohl sie genau so schuldig sind wie ich? Was habe ich anderes getan als sie? Stehe ich hier als Judas, Barnabas oder Jesus...
  2. Reunifikation

    "Du bist ein Blatt, das sich im Wind des Laufs der Welten kräuselt", flüsterte mir die süße Muse ins Ohr, nachdem ich meinen Fleischesdurst an ihr gestillt hatte. Dabei war sie nicht gekommen, um gevögelt zu werden, was allenfalls ihr zweiter, dritter, freilich unterdrückter Gedanke gewesen sein...
  3. Gift

    Art hielt sich an der Plörre fest, die hier jeder soff, und überredete sich zu jedem Schluck aufs Neue. Umgeben von Kidpunks, die ihn fast alle schief ansahen. Er lächelte geduldig, wo es eher einen dreisten Spruch gebraucht hätte, um das Eis zu brechen. Ein paar Mädels warfen ihm scheele Blicke...
  4. Das Wiedersehen

    Es war komisch für sie. Sie wusste nicht wirklich, was sie gleich erwarten würde. Dreizehn Jahre waren vergangen, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte. Gerade vor einer Woche hatte sie zum ersten Mal seit dieser langen Zeit mit ihm telefoniert. Seine Stimme gehört und sofort fing sie an zu...
  5. Satyrspiel oder Albtraum des Hippokrates

    Vor Dr. Sebastian Brentano lag ein Schriftstück, welches er beim Antiquitätenhändler Senyug in Istanbul erworben hatte. Es besass keinen besonders historischen Wert, zumal der Verfasser, Ioanidis aus Thessalien, unbekannt war. Senyug, bei dem er seit vielen Jahren verschiedentlich Raritäten aus...
  6. Vom Ende

    Der Anfang – wie ein leiser Anschlag eines Klavierhammers auf dem Nagelbett des Lebens. Danach eine Blende. Lichter in rostroter Umgebung verlaufen zu unscharfen Gebilden. Ein Wimpernschlag. Schwärze. Das bin ich, die 38 Jahre sind vergangen wie im Flug. Ich bin niemand, aber nicht ein niemand...
  7. Freche Gören

    Im Jahr 1940, so berichtet es meine Mutter, brach die Familie nach Mekka auf, denn erstmals hatte man reichlich zu essen und genug des Geldes für die Reise. Jedenfalls bis Aleppo. Dort lebte ein Bruder meiner Großmama, welcher eine Handvoll Kamele besaß. Bis Syrien rutschte die Familie, samt...
  8. Marie

    Für einen kurzen Augenblick dachte ich in ihren Augen zu sehen, dass sie mich wieder erkannte. Ich schloss die Tür hinter mir und setzte mich zu Marie auf den Fußboden. Ich begrüßte sie und strich ihr über den Kopf. Aufgeregt wedelte sie mit ihren verdrehten Armen und wippte dazu mit ihren...
  9. Der Wind

    Er hasste den Wind. Der Wind war sein Gegner. Er liebte ihn. Das flache Gelände erstreckte sich vor ihm, unterbrochen durch einzelne Baumgruppen und hin und wieder ein Gehöft oder eine Pferdekoppel. Der asphaltierte Wirtschaftsweg war gut zu fahren, hin und wieder ein Schlagloch oder eine...
  10. Die Präsidentin und der Schmerz

    Thomas liegt auf dem Lazarettbett und starrt auf die Stümpfe. Deutlich fühlt er einen Schmerz im Fuß, dann tobt einer in der rechten Wade. Seltsam, denkt Thomas, da haben die Eskimos zig Worte für Schnee und wir mit den beiden bestialischen Kriegen und all den Krebspatienten und Autobahnopfern...
  11. Katzen schlafen nie ganz

    Ich habe gehört, dass du wieder hier bist. Sie haben dich reingebracht, heimlich, als ich noch nicht hier war. Es ist lange her. Den ganzen Tag schon höre ich Schritte von oben. Aufgeregte Stimmen, ab und an aufkommendes Gelächter. So schlimm kann es nicht sein. Ich darf nicht zu dir, hab es...
  12. Die Lesung

    Eine Schar junger Autoren hat sich im Hinterzimmer des Gasthofs versammelt. Jeden Mittwoch lesen sie sich dort frisch gebackene Erzählungen vor. Lisa ist an der Reihe. Die Wangen sind so rot wie ihr XXL-T-Shirt. Mit fester Stimme intoniert sie Sätze, die sie in der Nacht aus dem Ofen holte...
  13. Weiter entfernt als ein Leben

    1 Ali parkte den Lieferwagen direkt vor dem Personaleingang an der Rückseite der Klinik und fischte eine braune Papiertüte aus seinem Rucksack. »Zur Stärkung, bis die Nachtschicht kommt«, sagte er und warf seinem Partner ein fettiges, übel riechendes Bündel zu. »Wo wir doch heute Ärzte sind...
  14. Nur eine Geschichte

    Schon auf dem kurzen Weg von der Regionalbahn zur Apotheke zeigte sich der Abend in erheblicher Schieflage. Jeder kennt das: Etwas schwer Definierbares liegt in der Luft und legt sich auf die Gemüter. Die Stadt geht loco, würde mein Nachbar sagen, sich die Fingerspitze gegen die Schläfe drücken...
  15. Abend

    Das bin ich also: Ein fetter Typ in einer oberflächlichen Welt. Zum Glück habe ich meine Stereoanlage, meinen Computer und meine Bong. Die stören sich nicht an meiner monströsen Fettwampe. Klar liebe ich auch mich, mein Internetprofil und morbiRicky. Sie behauptet zwar immer, sie würde mich...
  16. Es ist schön hier

    Es ist schön hier. Ich sitze auf der Treppe des Kinderbeckens, meine Füße sind im Wasser und ich lehne mich, auf meine Hände gestützt, zurück. Das LED-Licht wechselt langsam seine Farbe von blau zu grün. Tausende von kleinen Laserpunkten umspielen die Szenerie wie ein Sternenhimmel der sich eine...
  17. Gedeih

    Anna isst ihren Apfel zügig und mit Genuss, sie beißt große Stücke von ihm ab, dass es nur so knackt. Dann, wenn ein Stück zu groß ist und im Mund sperrig wird, gluckst sie und ihre Augen blitzen vergnügt. Das Gehäuse nagt sie gründlich ab, damit ihr auch nichts entgeht. Lars dagegen isst so...
  18. Hula Hoop und das Ende einer Liebschaft

    Hula Hoop und das Ende einer Liebschaft In einem afrikanischen Dorf, dessen Name unmöglich genannt werden kann, ohne es dadurch zu zerstören, sehnte sich bereits eines der Mädchen nach der Schauspieltruppe aus dem fernen Europa, wenn diese ihre Abschiedsvorstellung gab. Jedes Frühjahr tauchten...
  19. Anachronismus

    In einem alten Herrenhaus auf einem kleinen Hügel in einer ebenen Landschaft lebte ein älterer Herr, dessen Kinder, zwei Söhne und eine Tochter, schon vor langer Zeit ausgezogen sind, um ihre eigenen Familien zu gründen. So blieb ihm nur noch sein alter Konzertflügel an dem er tagein, tagaus saß...
  20. Betrogen

    Sie traf ihn vor zwei Tagen im Korkut, einer kleinen Bar bei ihr an der Ecke. Er saß an der Theke und nippte langsam an einem Drink. Der Hocker, auf dem er saß, war überall zerkratzt und die Naht von dem Lederbezug war an manchen Stellen aufgeplatzt. So quoll das Füllmaterial hervor und immer...
  21. Robin

    Ich träumte fast jede Nacht von ihm. Nicht, dass diese Träume mich belastet hätten - ich sah sie und vergaß sie wieder. Aber manchmal fragte ich mich, warum sie kamen, so regelmäßig, so beharrlich. Ich dachte nicht an ihn. Jedenfalls nicht oft. Schon damals war unsere Geschichte so lange her...

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