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jugend

  1. Straßenlicht

    Die Straßenlaterne glühte ein letztes Mal auf, bis sie endgültig erlosch. Der Weg war von tiefer Finsternis umschlossen. Ängstlich schlich ein Junge durch den undurchdringbaren Schleier der Dunkelheit. Er setzte verzweifelt einen Fuß vor den anderen. Den Blick gebeugt. Die Hände hangelten sich...
  2. Wie ein Star

    Ein Junge, keine vierzehn Jahre alt, gehörte zu der Sorte junger Menschen, die einst mit großen Hoffnungen in das mehrstöckige moderne Gebäude mitten im Herzen der koreanischen Hauptstadt Seoul getreten waren. Er war kein Einzelfall; vielmehr einer von vielen, deren Träume oft von...
  3. Drynwen

    Als Kind hörte Seán immer auf zu schreien, wenn er im Reisekoffer liegen durfte. In den Falten des grauen Innenbezugs fühlte er sich wohl und formte mit kleinen Fingern aus dem Stoff Berge und Täler. Seán hatte Alpträume, wenn er in einem Raum schlief, in dem der Koffer fehlte. Daher behielten...
  4. Mehl im Haar

    Drei Betten, zwölf Fenster, vier Stühle um den Tisch. Ein Flur, in dem sich feuchte Mäntel und Dreckschuhe auf Schachbrettfliesen stapelten. Eine Küche, die nie ganz aufgeräumt war, dafür aber nach Brezeln und Bananenbrot roch, wenn man abends heimkam. Eine Mama, die immer Mehl in den Haaren...
  5. Ninas Mappe

    Nina kommt in mein Zimmer getanzt, hat einen Teller mit Marmeladenbroten in der rechten Hand und ihre Schreibtischlampe in der linken. Es ist ein wirklich hässliches Teil, so grün mit weißen Punkten drauf, und sie streckt es mir strahlend entgegen. “Deine war ja kaputt. Und ich bin fertig für...
  6. Wecker auf vier

    Unsere Klasse fuhr nicht nach Amsterdam, Paris oder Barcelona, sondern in einen Kurort für Senioren an der polnische Ostseeküste. Nach Kolberg. Im Winter. Einmal täglich scheuchten uns die Lehrer den Strand entlang, danach ließen sie uns in Ruhe und ich verbrachte den größten Teil des Tages im...
  7. Goo

    Leute, die Eike nicht kannten, erzählten sich in der Regel drei Dinge über ihn: Erstens, dass er gut aussah, zweitens ein Langweiler war und drittens seltsam. An das Erste glaubte Eike nicht; die Kombination aus Zweitens und Drittens schien ihm unlogisch. Niemand konnte zugleich seltsam und...
  8. Eine unerwartete Wendung

    "Ich hab keine Lust auf diese dämliche Party ok!", sagte ich genervt ins Telefon. "Doch. Du musst da mit!", sagte meine Freundin Emma mit einer Stimme, die keine Widerrede duldete. "Du kannst dich nicht immer zuhause verkriechen! Ich hole dich in 20 Minuten ab." Ich verdrehte genervt die Augen...
  9. Wenn alle Stricke reißen, heirate ich eben

    Ich stand am Strand und ließ das Meerwasser immer wieder meine Füße umspielen. Es tat gut, das Rauschen der brechenden Wellen zu hören und die Luft wahrzunehmen, die an meinen Kleidern zerrte. Mein Freund Lukas stand direkt hinter mir und hatte die Arme um meine Taille geschlungen. Ich drehte...
  10. Elsas neue Welt

    Elsa war mit ihren Mitschülern im Klassenzimmer und wartete auf ihre Kunstlehrerin. In Erwartung auf eine entspannte Kunststunde, so kurz vor den Weihnachtsferien, war die Stimmung locker und gelöst. Als es zur Stunde klingelte, rauschte ihre Kunstlehrerin ins Klassenzimmer, wie immer...
  11. Was wirklich zählt

    Es war einmal eine junge Frau. Sie hieß Mia und hatte lange braune Haare. Sie hütete ein großes Geheimnis. Damit niemand jemals herausfand, was es war, verboten Mias Eltern ihr jeglichen Kontakt mit Menschen. Allerdings war Mia mittlerweile 18 Jahre alt und beschloss, diese Regel nun zu...
  12. Adam und Eva in der Schule

    Carmen wachte eines morgens auf und konnte sich an ihren Traum von letzter Nacht erinnern. Sie war gerade kurz vor dem Abitur und wusste noch nicht recht, was sie danach studieren oder tun wollte. Das zermürbte sie ein wenig aber sie freute sich über den Traum, den sie hatte und erzählte ihn in...
  13. Staub

    Ich höre die schrillen, klagenden Rufe der Steppenkiebitze, das Knacken von Ästen im Unterholz, spüre Papas warme Hand, die mich festhält, mich mit nach vorne zieht, zur Seite, an einem Busch vorbei, wieder geradeaus. Fort. Neben uns strauchelt Mama. Fatima in der Bauchtrage. Fatima schläft. Vor...
  14. Smiley

    Kann sein, ich habe in den Augen meines Vaters gerade etwas Stolz aufflackern sehen. Dabei werde ich erst mal nur immatrikuliert, und natürlich überwiegt der vorauseilende Spott in seinem Blick: Das wird doch sowieso nichts!, aber Mum freut sich, und auch mein Bruder meint es ehrlich, glaube...
  15. Sog

    Meinen Schnapsvorrat hat Papá nicht gefunden, sein Geld hingegen habe ich entdeckt. Der Umschlag ist ausgebeult, viel zu groß für das, was noch drin steckt. Papá muss viele Tausender ausgegeben haben. Die ganze Nacht habe ich wachgelegen, überlegt. Ich könnte einfach mit den Scheinen abhauen...
  16. Der Tod im Schlaf

    “Mach’s gut Dad“, sage ich, der Atem liegt schwer in der Brust. Der Rücken verspannt von der langen Fahrt oder von der Trauer, dem schlaflosen Träumen – ich kann es nicht sagen. Ich reibe die Fäuste in die Augen, flammenloser Brand wütet in ihnen. Regen trommelt an die Scheiben, die bodentiefen...
  17. Bockwurst und Mohnkuchen

    »Eber hat ‘ne Überraschung«, verkündete Hauke. »Kriegst du nächste Woche.« Zwei Jahre war Hauke schon hier. Ich mochte die Arbeit mit ihm. Wir hatten so unseren Rhythmus. »Was willst du später mal machen?«, fragte er. »Weiß nicht. Architekt.« Hauke hob die Brauen und nickte. »Gieß mal...
  18. Copywrite Dschinn Tonic

    Wenn ich Mama als Kind gefragt habe, warum Papa sich verändert hat, meinte sie, er habe die Bekanntschaft mit ein paar seltsamen Wesen gemacht. Flaschengeistern. Das erklärte zumindest all die leeren Flaschen, die ich in unserer Wohnung fand. Nachts schlich ich aus meinem Bett, horchte am...
  19. Wie mich mein Vater vor einer noch größeren Dummheit bewahrte

    Als ich allein in der Küche war, fischte ich die Tube aus dem Abfalleimer. Ich verstaute sie in der Hosentasche und verzog mich in mein Zimmer. Mehrere Wochen hatte ich warten müssen, bis ich endlich mein neuestes Stück ergattern konnte. Den Text auf dem Aufkleber der winzig kleinen Tube, der...
  20. Gut genug?

    Mein Alltag war eigentlich von Selbstzweifel geformt. Ich war nie wirklich da, immer in Gedanken an die Vergangenheit oder an die Zukunft. Ständig fiel mir etwas ein, was ich anders und vor allem besser hätte machen können. Die meist gestellte Frage in meinem Kopf war: „Bin ich gut genug?"...
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