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gesellschaft

Genre: gesellschaft

  1. Der letzte Buchstabe

    Wie zufällig schlendere ich durch die Arkaden, betrachte das Kleid in der Auslage. Der mit violetten Blüten bedruckte Stoff fließt in eleganten Bahnen, umschmeichelt das Becken der Schaufensterpuppe, die mit hohlen Wangen durch Glas lächelt. Vladislava – meine Lippen formen stumm das Wort...
  2. Das Richtige tun

    Die Matte war mal beige, jetzt war sie schmutzig braun, „vermutlich seit 30 Jahren dieselbe“, dachte ich und steckte den großen Schlüssel in das untere Schloss. Darüber war nachträglich noch ein zweites, kleines Sicherheitsschloss angebracht, hier passte der andere Schlüssel. Auf die Matte hatte...
  3. Himmelbeeren

    “Mama, wie ist es wenn ich tot bin?” “Ich weiß es nicht, Mäusekind.” antwortet die Mutter, die am Bett sitzt. “Wirst du und Papa bei mir sein, wenn ich tot bin?” Sanft streicht sie ihrem Kind über die blonden Haare. “Ja, Mäuselchen, wir werden bei dir sein” - was sollte sie ihrem Kind auch...
  4. L’heure verte

    Martine zog zweimal an der Leine und ließ los, sobald sich die Fracht ruckartig in Bewegung setzte. Begleitet von Luftblasen aus der Atemmaske trat der Netzbeutel mit seiner Fracht die Reise zur Oberfläche an. Flirrende Sonnenstrahlen blitzten durch die grünen Flaschen, bevor sie im Schatten des...
  5. Kajaltränen

    „Shit. Das war’s. Mein Leben ist vorbei!“, schrie Lynn nervös, während sie wie ein wildes Tier in Gefangenschaft in ihrem kleinen Zimmer auf und ab ging und zu weinen begann. Bis auf zwei Fingernägel hatte sie ihre French Glitter Nails komplett abgekaut, der Kajal und ihr Make-up vermengten...
  6. Ohrotik

    Schauen Sie mich an, nicht in meine Augen, sondern tiefer, nein, nicht so tief! Sehen Sie es denn nicht? Ich habe einen Satz heiße Ohren. Früher versuchte ich, diese schamhaft zu verbergen, fand ich doch ihren Hang zu Apostasis otum, also zum Abstehen, eher anstößig. Zwar schmiegen sich meine...
  7. Halb so wild

    Taubeneigroße Hagelkörner springen auf dem Rasen umher und sie denkt an ausgelassene Kinder. Windböen peitschen durch die Stauden, drücken sie auseinander, als wäre jemand hineingefallen. Vom Fenster aus sieht sie, wie der Hagel vom Regen abgelöst wird und auf den Granitsteinen Blasen schlägt...
  8. Früher Schnee

    Wann endet ein Leben, wenn das Herz nicht mehr schlägt oder es sinnlos erscheint, dass es noch schlägt? (Bodo Kirchhoff, Verlangen und Melancholie) Den Kopf muss ich einziehen, um hinaustreten zu können. Vor meiner Hütte ist ein kleiner, in den vielen Jahren festgetretener Bereich, beinahe eine...
  9. Der Zuhörer

    Die alte Dame stieg aus der U-Bahn, drehte sich in meine Richtung und winkte mir mit geröteten Wangen zu. Ich grüßte zurück und schaute ihr hinterher, bis sie an der Rolltreppe verschwand. Letzten Freitag hielt sich die Frau zum ersten Mal vor meinem Glashäuschen auf. Sie starrte hinein, während...
  10. Die verheißende Erlösung

    Sie sitzen sich gegenüber. Sie analysiert seine Körperhaltung und beobachtet jede Regung in seinem Gesicht, welche ihn freisprechen oder aber verraten könnte. Er sitzt leicht gekrümmt auf dem klapprigen Holzstuhl, der zweifellos nicht für ein unvergesslich komfortables Sitzerlebnis gemacht...
  11. Das Lachen der Sterne

    * Und dafür bin ich jetzt extra früher von der Arbeit weg gefahren, nur um jetzt, wenige Stunden später, wieder im Auto zu sitzen? Bei strömendem Regen und verstopften Straßen fahre, oder besser gesagt schleiche ich jetzt bis spät in die Nacht hinunter in eines der letzten Hinterweltlerdörfer...
  12. Der Birnenkopf

    Vor einigen Jahren zogen meine Frau und ich in unser Einfamilienhaus, ohne die Kinder, denn diese waren bereits erwachsen und gingen ihre eigenen Wege. Das Gebäude stand inmitten einer Wohnanlage am Stadtrand, vorwiegend aus Einfamilien- und Reihenhäusern. Die meisten Häuser der Umgebung...
  13. Gezeichnet

    Ihre Absätze klapperten über den geölten Holzfußboden, als sie zum Lehrerpult ging. Seit Fräulein Meyer Deutsch und Zeichnen in unserer Klasse gab, machte der Unterricht irgendwie viel mehr Spaß. „Guten Morgen! Setzt euch!“ Unsere Stühle scharrten. Peter, der neben mir saß, stieß mich in die...
  14. Oh, Theodor!

    Im Grunde war ihr Aussehen nicht außergewöhnlich, aber für ihn war sie von herausragender Schönheit. Mit ihrem langen Hals, den schwarzen Augen und den bräunlichen Schatten darunter sah sie aus, wie ein kränkelnder Schwan. Erst wenn sie tanzte wurde deutlich, wie sehr ihr Körper vor Kraft...
  15. Du kannst nicht nach Hause gehen

    Remi ist Neunzehn und darf das Auto seiner Eltern benutzen. Wir treffen uns auf dem Parkplatz der Autobahnraststätte. Meistens fahren wir zu einem Maisfeld oberhalb der Kirche. Von hier aus kann man die Flughafenlichter sehen. Bevor wir es machen, legt er eine Bundeswehrdecke auf die Sitzpolster...
  16. Solange es eben dauert ...

    Es war nicht allzu voll in dem kleinen Café am Dom. Ich setzte mich in einen der eleganten Loungesessel, warf die vielen Tüten auf den Platz neben mir und hob die Hand, um der Bedienung ein Zeichen zu geben. Meine Füße taten höllisch weh. Was hatte ich mich auch überreden lassen, diese Schuhe...
  17. Dear Depression

    Dear Depression, Ja was soll ich dir schon groß erklären, du kennst mich vermutlich besser als ich selbst. Also frag ich dich doch mal direkt, was ist denn dein Ziel. Die Theorie, dass du ein nicht gesehener Anteil von mir bist, ja diese Theorie kann ich teilweise nachvollziehen, aber wieso...
  18. Schreiben zum Verstehen

    Ich schreibe um zu verstehen. Jede Geschichte beginnt mit Tränen und so sollte sie auch Enden. Was ich als Kind gerne getan habe frage ich mich manchmal. Ich war gerne in der Natur, habe an einem Bachlauf gespielt, bis meine Füße nass waren. Ich ging nach Hause und meine Mutter schimpfte, dass...
  19. Eine Zugfahrt im ICE-Ruhebereich

    Im Berliner Hauptbahnhof rollte ich auf der Rolltreppe in das Untergeschoss, genauer gesagt zum Gleis 1. Dort stand der ICE nach Hamburg-Altona abfahrbereit am Bahnsteig, neben einer Vielzahl von Reisenden und Gepäck. "Fährt denn dieser Zug nach Hamburg?", schrillte eine grelle Frauenstimme über...
  20. Zu wahr, um schön zu sein – Alles ist unmöglich

    „Ach du Scheiße! Sieh dir diesen riesen Berg Fleischsalat da vorne an!“ sagt er zu mir mit aufgerissenen Augen, die mich entsetzt aus seinem schweißperligen Gesicht anstarren, während er mit dem Finger auf den Strand zeigt. Meine Augen folgen seinem Fingerzeig und tatsächlich: Eine schier...
  21. My Heart will go on

    Ich liege im Bett und denke über Karl Marx nach. Draußen applaudiert kühler Regen. Da ich letzte Nacht vergessen habe den Vorhang zu zuziehen, kann ich durch das Fenster verschwommen sich im Winde wiegende Bäume sehen. Unzählige kleine Regentropfen mäandern sich von außen mein Fenster hinab und...

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