Was ist neu

horror

  1. Der Beobachter

    1 Agathe knotete ihre Stoffhaube unter ihrem Kinn zusammen und öffnete die Tür zum Garten. Ein für diese Jahreszeit ungewohnt kalter Wind stieß ihr entgegen. Beinahe hätte er ihr die schwere Eichentür aus der Hand gerissen, die sie nur mit einer Hand gehalten hatte. In der anderen hielt sie den...
  2. Urlaub am Goldstrand 1970

    Vor ein paar Monaten habe ich die gelbstichigen Polaroidfotos bei meiner Mutter zuhause in einem alten Album entdeckt. Alle diese Polaroidfotos aus den 70ern haben etwas gelb-orange-stichiges – als wenn Vincent Van Gogh sie persönlich geknipst hätte. Aber ich glaube: Der war 1970 nicht am...
  3. Home-Office

    Daniel arbeitete seit drei Monaten im Home-Office, als sein Chef nachts in seinem Schlafzimmer auftauchte. Das Erste, was er wahrnahm, war Andreas’ Aftershave: Sandelholz und ein Hauch von Bergamotte. Er schlug die Augen auf und sah seinen Vorgesetzten im Korbsessel vor dem Fenster. Der...
  4. Oscar

    Herbert klingelte an der Tür der Wohnung seines Freundes Oscar. Herbert war gekommen, um Oscar zu besuchen, weil er seinen Freund seit Jahren nicht gesehen hatte. Doch die Tür blieb verschlossen. Deswegen pochte er an der Tür, bis seine Hand schmerzte. Herbert war frustriert. Sein Freund tat...
  5. Weihnachtserlösung

    Monate habe ich in innerlicher Leere verbracht. Jeder neue Tag fühlte sich schlimmer an, als der andere. Früher war es besser. Früher war das Leben immer so sorglos. Man konnte tun und lassen, was man wollte und das größte Problem war vielleicht, dass man Ärger von den Eltern bekam. Jetzt hat...
  6. Rosenmoos

    Das frische Moos umhüllte ihre nackten Füße. Fast schwebend rannte sie über den noch taufrischen Waldboden. Sie hielt an, atmete aus, legte sich auf den leicht feuchten Boden und blickte auf. Ein bläulich/lilafarbener Himmel war ihre Sicht. Sie lachte. So schön war es gewesen, damals mit ihrem...
  7. Das Nest

    "Was ist das Ziel?", fragte Paul, während er auf die Rückbank des Kleinbusses stieg. "Ein Nest in Mitte", antwortete Mats vom Beifahrersitz. Paul nickte. Ana, Eric und drei weitere Vermummte kletterten neben Paul auf die Rücksitze. Im Licht der untergehenden Sonne glänzten ihre Sturmgewehre rot...
  8. Sein wahres Gesicht in der Abenddämmerung

    ‚Kaltblütiger Mord‘, las sie als Schlagzeile. Sie drehte sich um. „Das ist schon der dritte geheimnisvolle Mord in dieser Woche!“, schockiert blickte sie auf ihn, wie er regungslos ohne auch nur mit der Wimper zu zucken auf seinem Stuhl in ihrem Stammrestaurant saß. „Interessiert es dich denn...
  9. Ameisen!

    Es klingelte an der Tür, und Habentus Tain brach der Schweiß aus. Dabei war es ein so schöner Tag gewesen. Und jetzt? Was sollte er tun? Abwarten, jawohl. Das war ohnehin in den allermeisten Lebenslagen ratsam. Sich bloß nicht zu irgendwelchen überstürzten Kopflosigkeiten hinreißen lassen...
  10. Bluthonig

    Aus einer Welt, der man nur Fragmente entreißt. Es ist Nacht und es klopft knöchern an meine Tür. Es muss eine Art Blockhütte sein, in der ich mich befinde, dicke Bienenwachskerzen brennen auf dem Tisch, Schatten flackern bedrohlich an den Wänden, das Haus strahlt in einem fahlen Orange. Ich...
  11. Der Duft des Schwarzen Bilsenkrauts

    Wasser tropfte aus ihren Haaren und floss durch die Spalten des Stegs zurück in den See. Der Leinenstoff schmiegte sich an den Körper, ihre Brüste zeichneten sich ab und auf der Höhe des Bauchnabels hatte sich eine kleine Pfütze gebildet. Wie eine Motte die Laterne des Nachtwächters verfolgte...
  12. Die Bibliothek

    1 In der Wahl seiner Feinde kann man gar nicht vorsichtig genug sein. Oscar Wilde (1854–1900) „Ich habe gerade die Durchsage gemacht, dass wir in fünf Minuten schließen. Du kannst schon mal nach oben gehen. Fang bei Ebene Fünf an und mach die Lampen und die Rechner aus. Natürlich nur, wenn...
  13. Du hast keine Ahnung, wie Kinder sein können

    Robert Steinhäuser tötete fünfzehn Menschen, bevor er sich selbst erschoss. Die meisten der Opfer waren Lehrer des Erfurter Gymnasiums, in dem er das Blutbad anrichtete. Dirk sagte damals zu Michael: Jetzt geht die Scheiße hier auch los. Da hast du dir ja einen Beruf ausgesucht. Michael hatte...
  14. Aus der Tiefe

    Sennya betrachtete die schweren Maschinen vor der untergehenden Sonne. Vor ihr lag die staubige Fläche, die für die erste Stadt auf Opal Drei vorbereitet wurde. Morgen früh würden sie beginnen, die Kanalisation zu graben. Sie genoss die kühle Abendluft, bevor sie in ihren Wohncontainer ging um...
  15. Gänsehaut

    Da wir noch mitten im Winter steckten und es früh am Morgen stockdunkel war, musste ich das Licht einschalten, als ich das Wohnzimmer betrat. Das Wohnzimmer schien nun überall grell im klaren gelblichen Licht der drei Glühbirnen oben an der Decke. Vorher war da eine unheimliche dunkle Leere...
  16. Fiat Nox

    Leo träumte seit seiner Operation von Gemälden. Er hatte viele Museen besucht und Jean-Pierre, sein Betreuer, hatte ihm erklärt, was er sieht. Seit der Hornhauttransplantation konnte er diese Kunstwerke nun endlich selbst sehen. Jean-Pierre hatte ihn nach seiner OP mit Folianten versorgt...
  17. Die Illusion, der Traum und die Wirklichkeit

    Ich öffne die Augen und sehe: nichts. Die Schwärze der Nacht hüllt sich um meinen Blick wie dunkler Samt, weich und warm. Ein behagliches Gefühl breitet sich in mir aus, obwohl ich heute alleine bin, meine Liebste weit entfernt von mir. Mein Herz gibt mir Kraft und ich sehne das Wiedersehen...
  18. Flieg Vogel, flieg!

    Seine Blicke hafteten knapp unter dem Minirock der jungen Frau mit dem frechen Sidecut. Ihre hochhackigen Stiefeletten und diese anmutige Haltung ließen seinen Mund offen stehen. Ihre langen, gebräunten Beine weckten seine Gier und in Gedanken wanderten seine verschmutzten Hände schon an ihrem...
  19. Fließende Schatten

    Eine Stadt, die auf keiner Karte einen Namen hatte. Tim erwachte schwerfällig, sein Geist folgte träge. Seine Augenlider klebten aneinander, der Blick trüb und grau. Die Welt war zur Seite gekippt. Er leckte zögerlich über seine rissigen Lippen und schmeckte etwas Metallisches. Er roch alte...
  20. Der dicke Hermann

    Anne und ich waren über das Geländer der Kanalbrücke geklettert. Wir saßen auf dem Rand und ließen die Füße baumeln. Fünf Meter darunter lag das Wasser. Ich hatte Schiss, aber ich wollte nicht, dass sie es merkt. „Auf drei?“, fragte ich. „Warum ist eigentlich immer alles auf drei?“ Manchmal...
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